Streitschlichter

Schüler als Streitschlichter - ein Markenzeichen der AST

„Halt die Klappe...!" oder „Komm doch her, wenn du was willst...!", wer kennt sie nicht, diese Situationen auf vielen deutschen Schulhöfen: Streit, Beschimpfungen und Raufereien gehören dort häufig zum Schüleralltag. Gut, dass sich an unserer Schule jemand um die Kampfhähne kümmern kann, um in deren Konflikt vermittelnd einzugreifen: Ausgebildete Schüler-Streitschlichter bemühen sich an der AST friedliche Konfliktlösungen herbeizuführen.

Seit nahezu 14 Jahren werden an unserer Schule 6. - 8.-Klässler zu sogenannten Mediatoren (= Vermittler in Konfliktfällen) erfolgreich ausgebildet. Schon im Schuljahr 1997/98 begann die AWO mit zwei Sozialarbeitern, Schüler-Streitschlichter an der AST auszubilden, damals führend im Landkreis Forchheim und als eine der ersten Schulen in Bayern überhaupt. Anschließend führte Konrektor Günther Hoch die Ausbildung weiter, bevor 1999 Förderlehrer Robert Kastl das Projekt übernahm und weiter führte. Beide erwarben durch mehrere Fortbildungswochen in Dillingen die dafür notwendigen Kenntnisse. Im Jahre 2005 erhielt Herr Kastl Unterstützung durch die Jugendsozialarbeiterin an der Schule (JaS), Frau Bock. Heute nun begleitet unser JaSler Jürgen Findeiß die Ausbildung und den Einsatz der jungen Konfliktlotsen.

In diesem Schuljahr 2010/11 waren 14 Schüler der B. und 9. Klassen im Einsatz, sechs Schüler der 7. Klassen begannen die Ausbildung. Dabei darf grundsätzlich jeder mitmachen - muss aber ca. ein Jahr lang durchhalten. Selbst „problematische" Schüler haben sich in der Vergangenheit als „super-kompetente" und talentierte Streitschlichter bewährt.

Die Schüler lernen dabei Grundlagen zu Konflikten und strukturierter Gesprächsführung: Gespräche einleiten, aktives Zuhören, Ich-Botschaften formulieren, ein Brainstorming anregen und Protokolle aufsetzen sind wesentliche Bestandteile des Ausbildungsprogramms. Aber auch Einfühlungs-vermögen, Mimik und Gestik deuten, sowie ein Gespräch in „erhitzter" Stimmung leiten gehören zu den Bausteinen der Schulung. Sicher sind diese Inhalte für 12 - 13-Jährige sehr anspruchsvoll; doch die Erfahrung zeigt, dass die meisten Anwärter problemlos das Ausbildungsziel erreichen. Dafür „trainieren" die Jugendlichen in Rollenspielen solche Szenen, in denen sie einmal Streitende, ein anderes Mal Streitschlichter darstellen. Diese Übungen zur Praxis sind Bestandteil einer Prüfling, ebenso wie ein theoretischer Teil in schriftlicher Form. Bei bestandenem Test winkt ein Diplom, das die Ausbildungsinhalte widerspiegelt und bei einer späteren Bewerbung um einen Ausbildungsplatz nützlich sein kann. Im Zeugnis erfolgt dazu eine positive Bemerkung.

Schließlich stehen die ausgebildeten Mediatoren in Zweier-Teams nach einem festen Dienstplan in jeder Pause am Vormittag bereit. Man erkennt sie an ihrem Dienstausweis. Für anstehende Fälle ist dann das Schlichtungszimmer vorbereitet, in dem alle Verhandlungsunterlagen zur Verfügung stehen. Die Konfliktparteien folgen dann den Konfliktlotsen zu einem freiwilligen Gespräch nach fest stehenden Regeln. Bei einer erfolgreichen Vermittlung wird ein Protokoll aufgesetzt, dessen Abmachungen nach etwa einer Woche überprüft werden.

Der Einsatz unserer Streitschlichter ist ein wichtiger Bestandteil unseres Schulprofils. Seit Jahren ist diese Gruppe fest etabliert und anerkannt. Denn wenn Schüler für Schüler als Dienstleister in Konfliktsituationen zur Verfügung stehen, können Streitigkeiten bereits auf dieser Ebene gelöst und „entschärft" werden. Gleichaltrige (= peers) verstehen eben Schüler besser, als Erwachsene dies könnten.

Schüler, Lehrer und die Schulleitung wissen seit Jahren diese Einrichtung zu schätzen, da es zu einem entspannteren  Betriebsklima führt, in dem sich alle wohl fühlen können.

Robert Kastl